»Irgendwo im Glück«

Eine Mutter, die ihre Kinder über alles liebt, die unglaublich viele schlimme Dinge ertragen musste und die ihren Sohn für immer verloren hat. Aber sie weiß, dass es ihm gut geht, denn er ist irgendwo im Glück.

Die Protagonistin Maisie Bean aus Anna McPartlins Roman »Irgendwo im Glück« (rororo, 2016) hat schon viel mitgemacht in ihrem Leben: sie wurde von ihrem Exmann vergewaltigt und mehrmals fast zu Tode geschlagen und sie kümmert sich mit ihren Kindern Valerie und Jeremy um die demenzkranke Mutter, die nach und nach vergisst wer sie ist. Maisie hat langsam gelernt mit ihrer Vergangenheit abzuschließen und ihren gewalttätigen Ehemann, von dem sie sich mit Hilfe des gutmütigen Polizistin Fred trennen konnte, zu vergessen.

Dann verschwindet Maisies Sohn Jeremy. Alle Bekannten und Freunde beteiligen sich an der Suche, aber noch weiß keiner von ihnen, was in der Nacht von Jeremys Verschwinden Schreckliches geschah…

Dieser Roman ist der zweite, den ich von Anna McPartlin lese. Ihre Geschichten sind emotional und tragisch. Zu Beginn dieses Buches dachte ich, es wäre eine Art Krimi (da wurde ich dann am Ende ein wenig enttäuscht). Die Figuren sind mit viel Liebe konstruiert, vor allem Maisie wirkt in ihrer Mutterrolle sehr überzeugend. Während des Lesens spürt man den Schmerz und diese authentische Tragik macht meiner Meinung nach die Bücher von Anna Mc Partlin aus. Was man liest, fühlt sich persönlich an.

Wer das Buch von Euch noch lesen möchte, liest hier am besten nicht weiter!!!

 

!!! Vorsicht Spoiler !!!

 

Die Nachricht, dass Jeremy tot ist, erfährt der Leser bereits im Prolog. Ungeklärt bleibt bis zum Schluss, wie es dazu kam. Nach und nach klärt sich auf, warum Jeremy so verschlossen verhält, sich immer im Griff hat und als Mitläufer Aufmerksamkeit vermeidet. Jeremy ist in seinen besten Freund Rave verliebt. Er weiß jedoch bis kurz vor seinem Tod nicht, dass auch Rave homosexuell ist und sich ebenfalls zu Jeremy hingezogen fühlt. Mit der Thematik der Homosexualität wird ein Thema aufgegriffen, das in dieser Geschichte immer noch von Tabus geprägt ist. Die Jungs können sich nicht frei entfalten, fühlen sich immer gehemmt und eingegrenzt, da sie die Reaktionen der Gesellschaft fürchten. Möglicherweise soll Jeremys Tod als Apell dienen, als Warnung an die Gesellschaft, die für das Versteckspiel der beiden Jugendlichen verantwortlich ist.

Im Roman schließt sich der Kreis: Jeremy wird durch einen Akt der Gewalt geboren (Vergewaltigung der Mutter) und in einem Moment größten Glücks getötet, in einem Moment, in dem er er selbst sein kann.