»Weit weg und ganz nah«

Eine junge, alleinerziehende Mutter, zwei außergewöhnliche Kinder, ein stinkender Hung mit einem großen Herz, finanzielle Sorgen, eine große Portion Verzweiflung, soziale Ungerechtigkeit, ein attraktiver Geschäftsmann und ein Bündel Geldscheine.

Diese Schlagworte fallen mir spontan bei dem Roman »Weit weg und ganz nah« von Jojo Moyes ein (rowohlt Verlag, 2015). Ich habe nun schon einige Bücher von der britischen Autorin gelesen und kann gar nicht genau beschreiben, was mich so an ihren Geschichten fesselt. Sie hat einen außergewöhnlichen Schreibstil. Sie hat außergewöhnliche, gut ausgearbeitete Personen. In ihren Büchern treffen meist Welten aufeinander, Gegensätze wie arm und reich ziehen sich wie ein roter Faden durch ihre Romane. Die Suche nach der eigenen Identität, nach einer Persönlichkeit gehören genau wie Existenzängste, finanzielle Sorgen oder unheilbare Krankheiten zu dem Leben. Und dabei spielt immer die Liebe eine bedeutende Rolle. Aber nicht alle Geschichten von Jojo Moyes haben ein Happy End wie im Märchenbuch. Es gibt neben der Hauptstraße auch andere Abzweigungen im Leben…

Kurz zu Handlung, da ich Euch nicht zu viel verraten möchte: Die mittellose Putzfrau Jess versucht so gut es geht ihren Kindern, der hochbegabten Tanzie und Nicky, dem Sohn ihres Exmannes, den sie wie einen eigenen Sohn großzieht, das Leben so angenehm wie möglich zu machen. So angenehm wie es halt in einem Wohngebiet geht, das als sozialer Brennpunkt mit einer hohen Kriminalitätsrate beschrieben werden kann. Da ihr Exmann ihr keinen Unterhalt zahlt, versucht sie ihre kleine Familie (die zwei Kinder und den Hund Norman) mit einigen Jobs so gut es geht über Wasser zu halten. Als sie nach einer Schicht in der Bar, einen betrunkenen Gast zum Taxi bringt, verliert dieser ein Bündel Geldscheine. Der junge Mann ist Geschäftsführer eines großen Software-Unternehmens, Jess putzt sein Haus und sie kann das Geld gut gebrauchen. Wird sie es behalten? Denn neben den üblichen Rechnungen, könnte sie mit dem Geld die Aufnahmegebühr für eine Elite-Schule zahlen, an der das Talent ihrer Tochter gefördert werden könnte. Als Ed die kleine Familie kurz danach am Straßenrand aufgabelt und zu einem Mathewettbewerb fährt, sind soziale Spannungen aller Art garantiert. Denn ein Auto bietet für vier Personen und einem Hund wenig Raum. Man kann sich nicht aus dem Weg gehen…